Katholische Kirche und Weltreligionen | Weltreligionen
 

 
 
 

Katholische Kirche und Weltreligionen

„Nostra aetate“ als Schlüssel

Türen verbinden. Türen laden ein, einzutreten oder hinaus zu gehen. Sie eröffnen einen Zugang und führen aus Räumen heraus.

Vor beinahe 50 Jahren hat das II. Vatikanische Konzil – Türen geöffnet. Mit der „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ (lat. Nostra aetate) liegt ein Schlüssel vor, damit diese Tür tatsächlich „für alle“ offen steht und der Zugang gefunden werden kann. – Nostra aetate ist das kürzeste Dokument des II. Vatikanischen Konzils (mit nur 5 Artikeln), aber vielleicht mit der größten Tragweite für die Zukunft der Kirche. Nostra aetate ist gleichsam die „magna charta“ nicht nur für das Diözesankomitee, sondern für alle katholischen Christen im Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen.

Als zentrale Qualitätskriterien für dieses Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen seien an dieser Stelle in Erinnerung gerufen:

  • Es geht vor allem darum, „was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt“. (Vgl. NA 1)
  • „Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“ (Vgl. NA 2) Das widerspricht nicht der Verkündigung von Christus, der „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (vgl. Joh 14,6) ist.
  • Es gibt einen Auftrag für uns Christen, dass wir „jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.“ (Vgl. NA 2). Es braucht unseren christlichen Einsatz dafür; die anderen sind nicht nur geduldet oder toleriert.
  • Als Christen und Gemeinschaft haben wir den Auftrag „mit Klugheit und Liebe“ sowohl das „Gespräch und die Zusammenarbeit“ zu suchen, als das „Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens“ zu leisten. (vgl. NA 2)
  • Neben der ausdrücklichen Nennung von Hinduismus, Buddhismus (vgl. NA 2) und Muslimen (vgl. NA 3) ist auf das besondere „Band“ zwischen Christen und Juden hinzuweisen. Weil das geistliche Erbe so reich ist, gilt es die „gegenseitige Kenntnis und Achtung zu fördern“ durch biblische und theologische Studien und vor allem durch das geschwisterliche Gespräch (vgl. NA 4).

Die Dialogtüren dieser Ausstellung laden dazu ein, den Schlüssel zu gebrauchen, die Türen zu durchschreiten und hoffentlich in eine gute, segensreiche Zukunft zu gehen – gerade weil wir das Gemeinsame mit den nichtchristlichen Religionen suchen.

(Dr. Gerhard Reitzinger ist Pastoraltheologe, Bischofsvikar und Geistlicher Leiter der Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten: Montag, 11. Februar 2013, 15 Uhr, Bildungshaus St. Hippolyt; Pressegespräch „Dialogtüren und Diözesankomitee Weltreligionen“)